Wie war das noch mal? – Emil, Dora, Ludwig, … äh … Ida … – Die Umgewöhnung dauert. Nicht nur das Buchstabieren des neuen Namens ist herausfordernd, viel schwieriger beinahe: Telefonate entgegen zu nehmen. Und aus dem alten Automatismus heraus natürlich immer den abgelegten Namen ins Handy zu hauchen. Um dann kurz darauf – nach der irritierten Pause des Gegenübers – sagen zu müssen “oh, ja, die ist am Apparat” – aber sie ist frisch verheiratet und vermutet, dass sie sich niemals, N I E M A L S umgewöhnen, an ihren neuen Namen gewöhnen wird.
War’s eine Schnapsidee, mit 32 einen neuen Namen anzunehmen (besonders, wenn der frühere der schönere war und man seit über 10 Jahren als Journalistin arbeitet)? – Natürlich. Aber dann konnte ich halt doch nicht anders. Denn trotz all der Abgebrühtheit bin ich dann wohl doch auch eine Spur romantisch. Sage ich Achsel zuckend. Und denke beim Passamt (während ich darauf warte, meine neue Identität mit Foto, Fingerabdruck und Signatur auszustatten) an eine Zeile, die in die Zitatesammlungen dieser Welt Einzug hielt: “What’s in a name?” Genau. Shakespeare. Billigstes Namedropping.
Obwohl, seit ich vor ein paar Tagen eine außerordentlich kluge französische PC-Komödie sah, muss ich wohl eher eine Aussage aus der TV-Serie “The Wire” abwandeln: “It’s all in the name”:
“Le prénom – Der Vorname” (ab 3. August im Kino) versammelt nämlich eine Hand voll Intellektueller um einen sorgsam beladenen Esstisch. Während die Gesellschaft (bestehend aus den Gastgebern Élisabeth und Pierre, Élisabeths bestem Freund Claude und ihrem Bruder Vincent) auf Vincents wie immer zu spät kommende Frau Anna wartet, werden die nahenden – erstmaligen – Vaterfreuden von Vincent thematisiert. Es wird gescherzt, aber nicht lange, denn auf die belustigte Frage hin, ob es denn schon einen Namen für das Ungeborene gäbe, eskaliert die Lage entrüstet und wortgewaltig. Denn Vincent versichert, der Name sei schon ausgewählt – der Name sei … Adolf.
Hier geht’s zum Trailer, ab 3. August geht’s in Kino (“Le Prénom” ist sehr empfehlenswert!) – und ich, ich übe mal meine neue Unterschrift …
