Das weiße Kleid und der U-Bahnschacht. Ein Kussmund, dem ein gehauchtes „I Wanna Be Loved By You“ entfleucht. Ewiges Sexsymbol mit Hang zu Diamanten, Tabletten und Alkohol. – Die Tags für Mythen- und Legendenbildung rund um das Pin-up-Girl und Mannequin, die Schauspielerin und Sängerin mit humoristischen Fertigkeiten in Billy Wilders Werk sind zahlreicher Natur. Schlagzeilentaugliche Eheschließungen (Arthur Miller, Joe DiMaggio) tun das Ihre dazu, John F. Kennedy habe sie via CIA ermorden lassen, lautet die beliebteste Verschwörungstheorie. Die Geschichten um die früh verstorbene Popikone werden seit ein paar Tagen auch per Leinwand wieder angeheizt: in „My Week With Marilyn“.
Die Tagebücher von Colin Clark – 1957 dritter (!) Regieassistent beim Dreh von „The Prince and the Showgirl“ – erinnern an eine kurze, emotionale Episode mit der berühmtesten Frau der Welt. Eine Frau, die bemitleidens- und bewundernswert zugleich ist.
Keine leichte Aufgabe, in Marilyn Monroes Haut zu schlüpfen, eine unsterbliche Legende zu geben. Dass sich Michelle Williams der Herausforderung stellte, brachte ihr einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung ein. Sie füllt die Rolle luftdicht aus, schafft eine greifbare Figur. Als vormals gut genährter Teenie-Star („Dawson’s Creek“) wurde sie bekannt, an der Seite von Heath Ledger berühmt – und aufhorchen ließ sie immer mehr mit wohlweißlicher Rollenwahl (ein Auszug: „Brokeback Mountain“, „I’m Not There“, „Wendy and Lucy“, „Blue Valentine“). Seichte Drehbücher nennt sie Papierverschwendung. Das Script ist zwar nicht unbedingt die Stärke von „My Week With Marilyn“ (sondern eher ein Alibi), der Star der Show ist eindeutig Michelle Williams, aber bei der Entscheidung für den Film spielte vielleicht auch ihr Kinderzimmer die gewichtigere Rolle: Dort hing ein Poster von Marilyn, direkt überm Bett, sagt sie. Auch das ist versuchte Legendenbildung.
„My Week with Marilyn“, Regie: Simon Curtis, derzeit im Kino.